Diabetes einfach erklärt

Diabetes einfach erklärt

Transkript

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00:00:00: Eine Unterzuckerung ist kein Drama. Es ist eine Lektion die zeigt, wie gut du deinen Körper kennst. Hallo ihr Lieben, ich bin Barbara Müller, Diabetesberaterin mit Herzhumor und einer großen Portion Geduld. Heute erzähle ich euch die Geschichte von Carlotta. Carlotta ist 19 Jahre alt, mitten im Abistress und gerade frisch aus der Klinik entlassen Erstmanifestation Diabetes mellitus Typ 1.

00:00:49: Sie wurde eingeliefert mit einer Ketoazidose. Ich erkläre es euch gleich, was das heißt. Wieder so einfach chinesisch. Ketoazidose, also mit einem richtig hohen Zucker und ohne Insulin im Körper. Ein klassischer Typ 1 beim ersten Auftreten. Eine Ketoazidose, jetzt mal ganz einfach erklärt. Ich sage es immer so.

00:01:18: Eine Ketoazidose ist der Zuckernotfall im Körper. Wenn gar kein Insulin oder wenig Insulin da ist, kann der Zucker nicht mehr in die Zellen rein. Er steht draußen, klopft an die Tür und ruft, Hallo, ich würde ja gern reinkommen aber keiner öffnet die Tür. Die Zellen sagen, Hunger, Hunger, Hunger, wir haben so großen Hunger und fangen an, Fett zu verbrennen.

00:01:55: Dabei entstehen Keton Das sind kleine, saure Stoffe. Und wenn davon zu viel unterwegs sind, wird das Blut sauer. Und der Körper ruft Alarm

00:02:15: Alarm Übelkeit, Durst, eine ganz tiefe, schwere Atmung, Müdigkeit, alles Anzeichen, dass etwas ganz schief läuft im Körper. Ich sage es in der Schulung immer, wenn der Zucker Achterbahn fährt und der Körper nach Luft schnappt, dann ruft er, ich brauche Insulin, ich brauche Insulin. Also kein Spaß, aber mit einem rechtzeitigen Handeln sehr gut behandelbar.

00:02:54: Als Carlotta zum ersten Mal zu mir kam, war sie blass, müde ganz erschöpft sah sie aus. Als hätte sie gerade eine Marathonprüfung im Überleben abgelegt. Neben ihr ihre Mutter. Ich nenne sie jetzt mal ganz liebevoll Mama Turbo. Sie kam mit einem ganzen Aktenordner voller Ausdrucke. Die neuesten Insulinpumpen CGM-Systeme, Ernährungstabellen, alles war mit dabei Frau Müller, meine Tochter braucht sofort eine Pumpe und ein CGM.

00:03:38: Sonst entstehen schwere Folgeerkrankungen. Carlotta verdrehte nur die Augen. Ich bin so müde Ich will schlafen. Wir sind gerade aus dem Krankenhaus raus. Ich musste da doch ein bisschen lachen und dachte, das wird spannend. Also? Überlegte ich und schickte die Mama Turbo für einen Kaffee raus ins Wartezimmer und setzte mich erst mal zur Carlotta.

00:04:13: »So«, sagte ich, »jetzt reden wir mal über dich und nicht über den Diabetes.« Da kullerte schon die erste Träne. »Ich kann das alles nicht, Frau Müller. Ich will mein altes Leben zurück.« »Ich nicke. Weißt du was, Carlotta? Das wollen sie alle am Anfang. Aber irgendwann hast du das Gefühl, du hast ihn im Griff, nicht er dich.«

00:04:45: Und da kam ganz vorsichtig ihr erstes Lächeln. Ein kleiner Sieg. Ein paar Wochen später kam sie wieder, diesmal alleine. Sie grinste und sagte, Frau Müller, Sie glauben es nicht, ich habe es überlebt. Ich, was denn, Carlotta, was hast du überlebt? Meine erste Unterzuckerung. Sie erzählte, ich war beim Lernen, hatte brav gespritzt aber kaum gefrühstückt.

00:05:17: Denn meine Freundin Marie rief an und musste mir natürlich von ihrem neuen Freund Pascal erzählen Das ist ein ganz, ganz toller Typ. Dann plötzlich, nach einer halben Stunde am Telefon, unsere Gespräche dauern immer ziemlich lange, hatte ich so ein komisches Gefühl im Körper. Ich hatte Kopfschmerzen, so ein leichtes Herzklopfen, ein Zittern und auf einmal ist mir der Schweiß ausgebrochen.

00:05:51: Und ich dachte, ich kipp gleich um. Ich nickte Klassische Hypo. Übersetzt Unterzuckerung. Auf gut Deutsch zu wenig Zucker im Blut. Und dein Körper hat Alarm geschlagen. Was passiert bei einer Unterzuckerung? Wenn zu viel Insulin da ist oder zu wenig Zucker nachkommt fällt der Blutzucker ab. Der Körper reagiert mit Gegenregulationshormonen, zum Beispiel Adrenalin Noradrenalin.

00:06:29: Alles ist auf Alarm geschaltet im Körper. Darum spürt man Herzrasen Zittern, Schwitzen, auch Heißhungerattacken dass man den Kühlschrank leer essen könnte oder man wird ganz nervös, man wird kribbelig. Es gibt ganz unterschiedliche Symptome, die können bei jedem Menschen anders sein. Und das ist auch gut so.

00:06:54: Das sind die Frühwarnzeichen. Zucker her! Der Körper braucht Zucker. Ganz wichtiger Satz den sich alle merken sollen. Erst essen, dann messen. Carlotta erzählte weiter. Ich habe an Sie gedacht, Frau Müller, an Ihren Tipp mit dem flüssigen Traubenzucker, dem Saft, die Schokoriegel. Meine Mutter, die Turbo-Mama, hat inzwischen in jedem Zimmer kleine Saftflaschen stehen, weil sie immer denkt, es passiert, irgendwann kommt die Unterzuckerung.

00:07:35: Also meine Tasche auf, Traubenzucker rein, Orangensaft hinterher und zack nach ein paar Minuten ging es mir schon besser. Ich musste grinsen. Carlotta, du hast ja perfekt reagiert. Ja, nur mein Puls war noch wie nach einem Sprint durch den Supermarkt, kurz vor Ladenschluss. Und ich erkläre ihr, dass sie nach der Hypo, der Unterzuckerung, noch langsame Kohlehydrate essen sollte, ein Brot mit Butter oder Schokoriegel, damit der Zucker stabil bleibt und der Körper auftanken kann.

00:08:17: Carlotta nickte. Hab ich gemacht und dann hab ich Mama angerufen. Die war völlig panisch Ich habe sie beruhigt. Mama, ich hab's im Griff. Jetzt mussten wir beide lachen. Na siehst du, jetzt bist du wirklich die Chefin deines Diabetes geworden. Am Ende meinte sie, wissen Sie, Frau Müller, früher hatte ich keinen Bock auf Diabetes.

00:08:48: Aber jetzt habe ich das Gefühl, ich halte ihn an der Leine. Und manchmal läuft er schon ganz brav neben mir her. Ich sagte, genau so ist es. Diabetes ist kein Feind. Er ist ein Mitbewohner. Manchmal kann er total nerven. Aber man kann lernen, friedlich mit ihm zu leben. Ich sage immer, Unterzuckerungen, Carlotta, gehören zum Leben mit Diabetes.

00:09:21: Das ist wie Salz in der Suppe Wichtig ist nur, dass man weiß, wo der Löffel liegt. Carlotta hat gelernt, Angst hilft nicht. Wissen schon. Wissen ist Macht. Sie hat erkannt, dass Vorbereitung alles ist und dass Traubenzucker und Schokoriegel manchmal die großen Helden sind. So meine Lieben das war's für heute mit Diabetes einfach erklärt.

00:09:58: Ich hoffe, ihr hattet ein bisschen Spaß, habt geschmunzelt vielleicht war auch was gelernt. Denn Diabetes darf ruhig mal lachen, solange der Blutzucker nicht zu tief absinkt. Ich danke euch fürs Zuhören. Passt gut auf euch auf, esst mit großem Genuss, messt mit Gelassenheit und bleibt mit dem ganzen Herzen dabei.

00:10:31: Bis zur nächsten Folge. Eure Barbara. Methan zum Moor und immer Traubenzucker und Schokoriegeln in der Handtasche. Eine Bitte habe ich an euch. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet den Podcast und empfehlt ihm weiter. Alles Liebe, Barbara.