Diabetes einfach erklärt

Diabetes einfach erklärt

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Barbara Müller: Diabetes ist kein Strafzettel – sondern ein Wecker, der rechtzeitig klingelt. [Wecker klingelt] Hallo, ich bin Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG, mit viel Herz und Leidenschaft – und heute erzähle ich euch von Luise Hammer. Luise ist 69 Jahre alt, mollig, 94 Kilo bei einer Körpergröße von 164 cm, zu klein für ihr Gewicht! Sie arbeitet seit über 42 Jahren in der Bäckerei Schmitt. Dort liebt sie Plunderstückchen und natürlich den weltbesten Käsekuchen. „Barbara“, sagt sie, „Das ist meine größte Leidenschaft, ich liebe Kuchen– und aber jetzt hab ich Diabetes mellitus Typ 2. Meine Mutter die Gertrud hatte das auch, damals hieß es Alterszucker. Also jetzt hat es mich auch erwischt! Ich habe gelesen im Diabetiker – Ratgeber! Den hole ich mir immer aus der Apotheke! Es gibt ja immer mehr Menschen mit Diabetes mellitus, Typ 2, das haben ja, ganz viele Menschen! Ja, Luise da hast du recht: In Deutschland haben wir fast 10 Millionen Menschen, die an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt sind.

00:01:05: Barbara Müller: Und ca. 4 Millionen sind auf dem Weg dahin! Also: Luise ist wirklich nicht allein. Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Volkskrankheit! Luise will wissen, was ist denn ein Diabetes mellitus Typ 2! Ich erkläre ihr: Typ 2 Diabetes mellitus Typ 2 entsteht, weil die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genug Insulin produziert! Oder weil das Insulin nicht mehr so gut wirkt. Das nennt man Insulinresistenz.

00:02:00: Barbara Müller: Luise meint: Oh, diese Fremdwörter, die keiner versteht! Kein Problem Luise, ich erkläre es dir ganz einfach! Normalerweise ist Insulin wie ein Schlüssel, der die Tür zur Zelle aufschließt, damit der Zucker hinein kann. Bei einer Insulinresistenz ist es so, als ob die Türschlösser eingerostet sind. Der Schlüssel passt noch – aber die Tür geht nur schwer auf.

00:02:50: Barbara Müller: Also ruft die Bauchspeicheldrüse: ‚Mehr Schlüssel, mehr Schlüssel!‘ und produziert immer mehr Insulin. Doch die Tür bleibt störrisch. Das Ergebnis: Der Zucker bleibt draußen im Blut – und die Zellen sitzen drinnen und sagen beleidigt: Wir haben Hunger, Hunger!‘ Durch diese ständige Überproduktion, die Bauchspeicheldrüse arbeitet Tag und Nacht, kommt es zu einer Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse. Deshalb früh behandeln! Insulin ist ein Schlüsselhormon. Es sorgt dafür, dass Zucker aus der Nahrung in die Zellen kommt – besonders in Muskeln, Leber und Fettzellen. Wenn der Zucker nicht in die Zellen kommt, bleibt er im Blut, die Zellen haben zu wenig Energie.

00:03:50: Barbara Müller: Das macht müde, abgeschlagen, und man muss ständig aufs Klo. Luise lacht: „Stimmt – ich verbringe mehr Zeit auf der Toilette als in der Bäckerei!“ Luise, im Blut muss Zucker sein, der bringt die Energie und mit Hilfe vom Insulin kommt er in die Zelle. Im Urin soll er nicht sein, deshalb will ich dir den Begriff Nierenschwelle erklären! „Luise, stell dir vor, deine Niere ist wie ein Türsteher vor einer schicken Disco. Normalerweise lässt die Niere den Zucker gar nicht erst rein in den Urin, sondern sie hält ihn brav im Blutkreislauf. Aber wenn der Blutzucker zu hoch wird, sagt der Türsteher irgendwann: ‚Sorry, voll – jetzt kommt hier keiner mehr rein!‘ Aber dann wird der Türsteher überrannt von dem hohen Zucker, er flutscht durch und landet im Urin.“ Die Niere schafft es nicht, den Urin zuckerfrei zu halten! Das ist ein großes Problem für die Niere und schädigt sie!

00:04:55: Barbara Müller: Luise lacht laut: „Also macht meine Niere bei hohen Zuckerwerten eine Art Happy Hour – ab einem gewissen Punkt ist jeder drin?“ – „Ganz genau!“, sage ich. „Aber leider ist das für den Körper gar nicht lustig, weil du damit Energie verlierst, ständig zur Toilette musst und dich noch schlapper fühlst. Meine Freundin Hannelore spürt dagegen gar nichts – und genau das macht den Diabetes so gefährlich.

00:05:50: Barbara Müller: Denn auch ohne Beschwerden kann er großen Schaden im Körper anrichten. Er schleicht sich an, wie eine Schlange! Es dauert in Deutschland im Durchschnitt 8-10 Jahre, bis der Diabetes mellitus Typ 2 entdeckt wird. In dieser Zeit kann er schon viele Schäden im Körper verursacht haben. Deshalb wichtig: regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt, wenn es in der Familie Diabetes Typ 2 gibt. Darum sage ich zu Luise: „Eine gute Blutzuckereinstellung, die frühe Diagnose und vor allem eine gute Diabetesschulung – in der du viel lernst z.B. über Selbstkontrolle, Ernährung und Bewegung, sind das A und O. Luise, sei froh über die frühe Entdeckung des Diabetes mellitus Typ 2.

00:06:50: Barbara Müller: Denn Wissen ist Macht – und macht dich zum Chef über deinen Diabetes.“ Luise nickt: „Dann werde ich halt Diabetes-Chefin – so wie ich auch Chefin über meinen Käsekuchen bin!“ Da hast du recht! Und das ist genau das Wichtige: Den Diabetes ernst nehmen, aber mit Wissen und Humor meistern.

00:07:40: Barbara Müller: So, das war’s für heute. Ich hoffe, ihr habt geschmunzelt und gemerkt: Diabetes ist kein Strafzettel, sondern ein Wecker. [Wecker klingelt] Man kann ihn hören und rechtzeitig handeln. Eine Bitte habe ich an euch, wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet den Podcast und empfehlt ihn weiter! Den Link findet ihr in den Shownotes, vielen Dank! Ich habe noch eine Überraschung für euch: Auf meiner Website findet ihr ein Rezept für einen leckeren schlanken Käsekuchen – zum Herunterladen und Nachbacken. Guten Appetit!

00:08:40: Barbara Müller: Bis zum nächsten Mal, tschüss, eure Barbara Müller.