Barbara Müller: Wenn der Zucker fällt und die Augen streiken, Karl sieht plötzlich Nebel. Hallo ihr Lieben, hier ist wieder Barbara Müller, Diabetesberaterin mit Herz, Verstand und heute mit dem richtigen Blick für die Sache. Manchmal kommen Menschen zu mir, die eigentlich alles richtig machen und trotzdem Angst haben.
Ich bin nicht mehr dauernd müde Ich habe wieder mehr Energie. Aber meine Augen. Ich habe Angst. Werde ich jetzt blind? Heute erzähle ich euch von Karl. Karl ist 57 Jahre alt. Er ist Gerichtsvollzieher. Ein Mann, der berufliche Dinge sieht, die andere lieber nicht sehen wollen.: Er spielt Golf. Das heißt, kleine Bälle, ganz große Wiesen und ganz viel Bewegung. Und dann sitzt Karl bei mir und sagt, Barbara, ich glaube, ich werde blind. Ich schaue ihn an. Karl sitzt aufrecht, wirkt ganz wach, sieht mich sogar ziemlich gezielt an. Blind sieht anders aus, denke ich. Aber Karl meint es ernst und er hat Angst. Vor zwei Wochen war bei Karl der Blutzucker völlig aus dem Ruder gelaufen.
Er hatte eine Stoffwechselentgleisung. Nicht aus Faulheit, nicht aus Ignoranz, sondern weil seine Bauchspeicheldrüse beschlossen hatte, Nach mehreren Entzündungen in den Vorruhestand zu gehen. Also bekommt Karl jetzt Insulin von außen. Und das: Erstaunliche, Karl macht das richtig gut. Er spritzt ganz zuverlässig, isst bewusst, er hat seine Ernährung umgestellt. Er bewegt sich mehr. Der Zucker sinkt sein Kopf wird klarer, die pleiernde Müdigkeit verschwindet. Karl fühlt sich besser als seit Jahren. Bis auf eine Kleinigkeit. Barbara, ich sehe alles wie durch Milchglas. Und jetzt passiert im Kopf von Karl Folgendes. Karl denkt, oh, Diabetes, Augen. Ich werde blind. Karl sieht also schlechter und ist überzeugt das war es jetzt für ihn.
Ich erkläre ihm dann und auch euch, was wirklich los ist. Und nein, das ist keine Strafe des: Körpers. Das ist eher so etwas wie Umzugsstress. Wenn der Blutzucker lange hoch war, lagert sich der Zucker auch in der Linse ein. Der Zucker liebt Wasser. Die Linse wird ein kleines bisschen dicker. Sie quillt auf. Karl sieht anders, hat sich aber mit der Zeit daran gewöhnt. Und jetzt kommt das Insulin, der Zucker sinkt das Wasser zieht sich zurück. Die Linse denkt sich, Moment, wir sortieren hier gerade um. Und zack sieht Karl plötzlich ganz unscharf. Es ist nichts kaputt. Er wird auch nicht blind. Die Linse ist irritiert.
Wie nach einer neuen Brille, die noch nicht richtig sitzt. Karl hört: mir zu, runzelt die Stirn und sagt dann, heißt das, Barbara, meine Augen sind verwirrt? Ja, Karl, deine Augen sind verwirrt so wie dein Stoffwechsel gerade lernt, wie normal jetzt wieder geht. Ich möchte euch noch einen kleinen wissenschaftlichen Teil erklären.
Ich mache es ganz leicht. Was Karl erlebt, ist keine Erblindung. Es ist ein physikalisches Problem und das Stichwort heißt der osmotische Druck. Bei hohem Blutzucker lagert sich Zucker auch in der Augenlinse ab. Der Zucker zieht Wasser an, die Linse schwillt leicht an, die Brichkraft verändert sich. Und jetzt kommt das Insulin Das Insulin senkt den Blutzucker und das auch oft ziemlich schnell Wasser: verschiebt sich wieder, die Linse verändert ihre Form und das Ergebnis vorübergehend schlechtes Sehen, Nebel, Unsicherheit. Bei manchen Patienten kommt das vor, bei anderen Patienten passiert überhaupt nichts. Die gute Nachricht für Karl und auch für euch, das Sehen normalisiert sich wieder, sobald sich der Stoffwechsel stabil eingependelt hat. Ich möchte euch aber an dieser Stelle noch etwas erklären, denn Wissen ist Macht.
Eine Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut des Auges die das Sehen beeinträchtigen und verschlechtern kann. Ja, Diabetes kann langfristig die Netzhaut schädigen wenn der Zucker jahrelang schlecht eingestellt ist. Bei Kahl ist das aber nicht so. Nicht so plötzlich, nicht: innerhalb von Tagen. Trotzdem gilt für alle, dass Regelmäßig augenärztliche Kontrollen das ist Pflicht, nicht Panik. Ja, Diabetes kann langfristig die Augen schädigen, aber nicht innerhalb von Wochen und von Tagen Das hier ist ein Übergang. Ein paar Wochen, manchmal etwas länger, und dann wird die Sicht wieder klar. Karl lehnt sich zurück und sagt, na gut, dann spiele ich halt Golf im Nebel. Der Ball war vorher auch schon klein. Und lieber, ganz ehrlich, ein paar Wochen unscharfe Sicht als jahrelang zu hohe Werte und echte Folgeschäden. Aber Karls Körper bekommt jetzt endlich das, das Insulin, was er dringend gebraucht hat. Das Insulin hat ihm einfach gefehlt. Und auch seine Augen werden sich daran gewöhnen.
00:07:00: Sein Blick wird wieder klarer werden, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn der Zucker fällt und die Augen kurz streiken dann ist das kein Drama. Es ist auch kein Weltuntergang. Das ist eher wie ein innerer Umzug. Kisten stehen rum, keiner findet sofort die Brille und alles fühlt sich kurz unordentlich an. Aber niemand zieht rückwärts ein. Karl geht heute übrigens wieder Golf spielen, aber mit einem deutlich besseren Stoffwechsel und mit viel Energie. Manchmal ist Heilung eben kein Feuerwerk, sondern ein bisschen Nebel mit guter Aussicht Also, keine Panik. Nicht googeln nicht schwarzmalen Der Körper lernt gerade wie der Normalbetrieb.
Und das braucht manchmal Geduld und Humor. Passt gut auf euch auf. Dein Körper meint es gut mit: dir. Auch wenn er es manchmal etwas unscharf zeigt. Alles Liebe, Barbara Müller, die Zuckerfee aus Hessen. Eine Bitte habe ich noch an euch. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet den Podcast und empfehlt ihn weiter. Alles Liebe, die Zuckerfee.