00:00:00: Intro & Willkommen Barbara Müller: Insulin ist kein Rückschritt. Es ist dein Upgrade für ein freies Leben. Hallo ihr Lieben wie schön, dass ihr wieder dabei seid bei Diabetes einfach erklärt, dem Podcast, in dem ich komplizierte Medizin in alltagstaugliche Sprache übersetze. Ich bin Barbara Müller, Diabetesberaterin der DG und ich habe eine Schwäche für individuelle Insulintherapien, die zu den Menschen passen Der vor mir sitzt.
Denn jeder einzelne Mensch mit Diabetes ist ein Gesamtkunstwerk. Deshalb braucht auch jeder eine maßgeschneiderte Insulintherapie. Das ist total spannend und das macht mir total viel: Spaß, gemeinsam mit dem Patienten die richtige Insulintherapie zu finden. Ganz wichtig, der Patient trifft die Entscheidung und es kommt immer auf das Patientenziel an. Wir haben die Aufgabe, den Patienten gemeinsam mit dem Arzt die unterschiedlichen Therapieformen vorzustellen und dann gemeinsam zu überlegen, was ist das Richtige für den jeweiligen Patient. Heute geht es um Hendrik. Er ist 52 Jahre jung, Typ 2 Diabetik, aber ein ganz Schlanke. Er ist lebenslustig er ist neugierig.
Von Beruf ist er Informatiker. Und er plant mit seiner neuen Freundin eine Kreuzfahrt mit allen Raffinessen. Sonne Meer,: Buffet, Landausflügel und ihr wisst schon. Jetzt die Frage aller Fragen. Welche Therapie ist die richtige für Hendrik? Barbara, welche Insulintherapie passt zu mir? Muss ich mein Leben ändern oder passt sich das Insulin an mich an? Da habe ich erst mal gelächelt und gesagt, nicht dein Leben muss sich dem Insulin anpassen. Das Insulin passt sich deinem Leben an. Hendricks Geschichte
Barbara Müller Hendrik und die große Kreuzfahrt. Hendrik braucht Insulin. Er sagt zu mir, Barbara, ich will reisen, ich will was erleben, ich will flexibel sein, spontan essen gehen. Ja, ich fragte mal zwischendurch, Hendrik, wie sieht es denn mit einer: Insulinpumpe aus? Ich dachte, für so einen Informatiker wäre das eventuell etwas. Die Antwort kam aber prompt, nein, danke, Barbara. Da hat Barbara wohl falsch gedacht. Tja, man kann sich auch irren. Barbara, ich möchte keinen Schlauch, kein Gerät an meinem Körper. Ich will frei sein und nicht verkabelt. Barbara, ich habe eine neue Freundin Wir kennen uns erst seit vier Monaten. Ich bin total glücklich.
Ich bin verliebt. Was denkt sie wohl, wenn ich so eine Maschine an mir habe? Ich kann ihn verstehen. Vielleicht ist im Moment nicht der richtige Zeitpunkt für eine Insulinpumpe. Aber vielleicht später. Und wisst ihr was? Das ist völlig okay. Therapie muss zum Menschen: passen und nicht umgekehrt. Er erzählt mir, Barbara, ich habe ein CGM, das heißt eine kontinuierliche Glucosemessung. Das finde ich ganz super. Das passt zu mir. Daran habe ich mich auch gewöhnt Das ist Lebensqualität für mich, dass ich nicht mehr andauernd stechen und messen muss. Damit komme ich auch sehr gut zurecht. Aber mehr will ich nicht an meinem Körper haben als den kleinen Knopf. Der ist okay für mich. Auch, dass ich zwei Stunden in die Zukunft schauen kann.
Einfach genial. Und dass ich sehen kann, wie die Nacht läuft. Das CGM, das ist wirklich eine gute Sache für mich. Jetzt will ich euch doch noch mal erklären, warum Hendrik überhaupt Insulin braucht. Bei Typ 2 Diabetes denken: viele, ach, der Zucker ist ein bisschen zu hoch. Aber bei Hendrik ist die Bauchspeicheldrüse einfach müde geworden. Er hatte auch schon mehrere Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Bildlich erklärt heißt das, die Bauchspeicheldrüse ist wie ein alter Kollege im Büro. Früher topfit motiviert, heute sagt sie öfter, mach du mal, ich kann nicht mehr. Das Ergebnis ein echter Insulinmangel. Und Insulin bedeutet, es ist nicht ein Versagen, sondern Entlastung und Schutz für den Körper. Und jetzt ist richtige Teamarbeit gefragt. Die Insulintherapien im Überblick
Barbara Müller Jetzt wird es ganz praktisch. Ich erkläre Hendrik und auch euch, welche Möglichkeiten es gibt von unterschiedlichen Insulintherapien. Wir: fangen mit der Bot an. Eine Bot ist eine basal unterstützte orale Therapie. Das war jetzt wieder mal fachchinesisch Jetzt erkläre ich es nochmal ganz einfach. Sie ist oft der Einstieg in die Insulintherapie Man spritzt einmal täglich. Ein Langzeitinsulin zur Unterstützung. Meistens laufen die Medikamente also die Tabletten weiter. Das Ziel ist, die nüchternen Werte zu stabilisieren und den Grundbedarf abzudecken, also den Basalbedarf zu decken. Meine Übersetzung, einmal spritzen, Zähne putzen schlafen gehen und fertig.
Und dadurch wird der Morgenwert besser. Und wenn man morgens gut startet, dann läuft der ganze Tag besser. Es gibt aber auch Insuline, die man morgens spritzen kann, je nach: Insulinart. Bei manchen Menschen ist das Sinnvolle. Die BOT ist sehr einfach, leicht durchzuführen. Sie ist alltagstauglich, aber nicht unbedingt flexibel. Das Wocheninsulin Barbara Müller: Jetzt kommen wir zu dem neuen Wocheninsulin, die moderne Variante. Ganz neu und sehr beliebt. Nur eine Spritze pro Woche, eine gleichmäßige Wirkung über sieben Tage. Perfekt für Menschen, die sagen, Barbara, ich will nicht ständig an Insulin denken. Für Hendricks Kreuzfahrt wäre das weniger Nadel, mehr Urlaubsmodus aber ja. Das kleine Aber. Nicht sehr flexibel. Eher nicht so günstig für einen Mann wie Hendrik. Die SIT
Barbara Müller Als nächstes kommen wir zu der SIT, der supplementären Insulintherapie.: Wie der Fachchinesisch heißt einfach, hier kommt Insulin zu den Mahlzeiten dazu. Kurzzeitinsulin zum Essen, eigenes Basalinsulin reicht oft noch. Das heißt, bei großen Mahlzeiten zum Beispiel viele Kohlenhydrate, ein Teller Nudeln, dann Insulin dazu. Kleiner Snack, manchmal gar kein Insulin nötig je nach Wert und Mahlzeit. Die SIT ist sehr Buffet-tauglich. Aber die SIT ist keine volle Freiheit. Funktioniert nur, wenn man noch eigenes Insulin besitzt, das die Grundversorgung also die Basalrate, abdeckt. Die ICT – Königsklasse der Flexibilität
Barbara Müller Jetzt kommen wir zu ICT, die intensivierte Insulintherapie. Wie der Fachchinesisch ganz einfach erklärt. Du: gibst Insulin so, wie dein Körper es eigentlich selbst machen würde. Die ICT ist für mich die Königin der Insulintherapie. Die ICT ist die Königsklasse an Flexibilität, genauso etwas, was Hendrik braucht. Basalinsulin für den Grundbedarf, meist eins bis zweimal am Tag und dann Mahlzeiteninsulin zum Essen. Das kommt dem natürlichen Insulinverlauf am nächsten, wie Mutter Natur es macht. Für Hendrik bedeutet das, Insulin zu den Mahlzeiten Es ist aber völlig egal, ob er um sieben oder um zehn Uhr frühstückt.
Überhaupt man muss keine festen Essenszeiten einhalten. Und man braucht auch keine: Zwischenmahlzeiten. Und das Essen am Buffet Kein Problem für ihn. Nach der richtigen ICT-Schulung. Er hat gelernt, nach dem KE-Faktor und der Korrekturregel zu spritzen. Keine Angst, erkläre ich euch in einem Folge-Podcast. Landausflüge mit Verspätung. Alles gut machbar. Eis oder ein Stück Kuchen im Hafen alles möglich. Dafür gibt es ja ein Mahlzeiteninsulin. Die Kreuzfahrt wird entspannt. Hendrik schaut mich an und sagt, Barbara, das klingt nach Freiheit. Und ich antworte überzeugt, willkommen im Club der selbstbestimmten Insulinanwende.
Er entscheidet sich bewusst für die ICT und ich glaube, es ist eine sehr, sehr gute Entscheidung für: Hendrik. Fazit & Verabschiedung Barbara Müller: Liebe Leute, Diabetes ist kein Stoppschild. Es ist eher ein Navi Man muss nur wissen, welche Route man nimmt. Und Hendrik? Der packt jetzt Insulin, Sonnencreme und Lebensfreude in den Koffer. Und ihr? Ihr dürft euch trauen, eure Therapien mitzugestalten. Bis zur nächsten Folge. Alles Gute eure Barbara. Eine Bitte habe ich noch an euch. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet den Podcast und empfehlt ihn weiter. Alles Gute die Zuckerfee.