00:00:00: Barbara Müller: Der Körper spricht manchmal ganz leise. Nicht mit Schmerz, sondern mit kleinen Pausen im Leben. Gesundheit bedeutet nicht nur länger zu leben, sondern auch mit den Menschen mithalten zu können, die man liebt. Hallo, ihr Lieben, hier ist wieder eure Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG. Bevor wir heute starten, möchte ich einfach noch mal Danke sagen.
Barbara Müller Ich hätte ehrlich nie gedacht, dass dieser Podcast einmal in so vielen Ländern gehört wird, dass Menschen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und sogar Amerika oder weltweit zuhören. Und manchmal sitze ich wirklich da und denke "Wie verrückt ist das eigentlich? Was passiert,: dass so viele Menschen gemeinsam zuhören, mitfühlen, lernen und auch lachen?" Barbara Müller: Danke für eure lieben Nachrichten. Danke für eure Offenheit. Danke für euer Vertrauen. Und vor allem danke, dass ihr diese Reise mit mir gemeinsam geht. Und genau darum geht es hier. Nicht nur um Diabetes, nicht nur um Adipositas, sondern um Menschen, um echte Geschichten, um Alltag, um Hoffnung und manchmal auch einfach um ein kleines Lächeln. Barbara Müller: Und jetzt starten wir gemeinsam in die heutige Folge.
Barbara Müller Und heute erzähl ich euch von Marianne, von Oma: Marianne. Marianne ist 66 Jahre alt. Sie ist ganz schlank. Sie isst herzlich und Marianne ist eine richtige Power-Oma. Eigentlich, den früher war Marianne immer unterwegs. Früher war sie Verkäuferin und ich glaube ja, Verkäuferinnen entwickeln irgendwann Superkräfte. Barbara Müller: Marianne konnte gleichzeitig kassieren, Kunden beraten, Regale einräumen und nebenbei hören, wenn irgendwo hinten ein Glas Marmelade umgefallen ist. Heute sagt Marianne: „Barbara, meine Beine wollen einfach nicht mehr." Und das merkt sie vor allem bei ihren Enkeln. Drei Stück hat sie davon, drei wilde Gesellen.
Barbara Müller Und alle drei haben ungefähr die Energie eines kleinen: Duracell-Hasen auf Espresso Barbara Müller: Die rennen immer zum Spielplatz, zum Eiswagen, zur Schaukel und Marianne bleibt zurück. Sie erzählt mir: „Barbara, neulich wollten wir die Enten füttern. Die Kinder waren schon am Weiher und ich stand noch an der Ampel. Ich habe Angst bekommen, dass sie in den Weiher fallen." Und dann lacht sie kurz, aber nur kurz, denn eigentlich macht es sie traurig.
Barbara Müller Sehr traurig. Marianne hat Diabetes seit fünf Jahren. Eigentlich ganz ordentlich eingestellt und trotzdem passiert etwas mit ihren Beinen. Beim Einkaufen bleibt sie plötzlich stehen vor Schaufenstern. Nicht, weil sie unbedingt Schuhe kaufen will oder: Taschen. Nein, sondern weil die Beine anfangen wehzutun. Barbara Müller: Und genau deshalb nennt man das Schaufensterkrankheit. Marianne sagt: „Barbara, ich tu immer so, als würd ich interessiert mir die Schaufenster angucken. Dabei warte ich nur darauf, dass meine Wade wieder aufhört zu brennen."
Barbara Müller Und jetzt wird's wichtig. Die sogenannte Schaufensterkrankheit heißt medizinisch PAVK, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Das bedeutet, die Blutgefäße in den Beinen, die werden enger durch Ablagerungen und dadurch kommt weniger Sauerstoff in die Muskeln. Am Anfang merkt man das oft gar nicht.: Barbara Müller: Die Beine werden schneller müde, aber später Schmerzen beim Gehen, Krämpfe, häufiges Stehenbleiben. Und irgendwann wird selbst ein kleiner Weg ganz anstrengend. Und jetzt kommt das total Gemeine. Marianne ist schlank. Viele denken nämlich, Gefäßprobleme haben nur stark übergewichtige Menschen. Nein, auch schlanke Menschen mit Diabetes können betroffen sein.
Barbara Müller Vor allem, wenn noch etwas dazukommt. Das Rauchen. Und Marianne hat früher geraucht wie ein alter Güterzug. Sie sagt mir "Barbara, meine Pausen bestanden aus Kaffee und aus Nikotin." Und wissenschaftlich ist genau das ein Problem. Nikotin: schädigt die Gefäße. Die Gefäße werden enger und Diabetes macht leider genau das Gleiche und verstärkt das Ganze noch. Barbara Müller: Hoher Zucker greift die Gefäßwände an. Das bedeutet, Rauchen plus Diabetes ist für die Gefäße ungefähr so beliebt wie Flipflops im Schnee. Barbara Müller: Marianne merkt inzwischen, Treppen werden schwieriger, längere Wege auch. Und das Schlimmste: „Barbara, ich fühl mich ja so unnütz." Eines Tages sagt sie ganz leise zu mir: „Barbara, was bin ich denn noch für eine Oma, wenn ich nicht mal hinter meinen Enkeln herkomme?" Und da sitzt sie plötzlich. Dieser Satz schwebt im Raum.
Barbara Müller Und: ich sage zu ihr: „Marianne, deine Enkel brauchen keine Rennoma. Sie brauchen ihre Oma." Und plötzlich hat Marianne Tränen in den Augen. Und dann sagt sie: „Trotzdem wäre ich gern wenigstens wieder etwas flotter unterwegs."
Barbara Müller Natürlich will Marianne und ihr auch wissen, wie stellt man denn überhaupt eine PAVK fest? Und jetzt wird's medizinisch, aber mit Barbara ganz einfach. Der Arzt schaut zuerst, wie weit kann jemand laufen? Dann werden die Fußpulse untersucht. Also kommt überhaupt genug Blut unten an. Ganz wichtig ist die: sogenannte ABI Messung. Barbara Müller: Das klingt total kompliziert. Ich erkläre es euch. Ist aber eigentlich ein Blutdruckvergleich. Der Blutdruck wird gemessen am Arm und am Fuß und daraus erkennt man, wie gut die Durchblutung noch funktioniert. Dann macht man oft Ultraschall. Das ist so ähnlich wie Fernsehen, damit man einfach die Gefäße besser sieht. Barbara Müller: Manchmal wird auch ein CT oder ein MRT gemacht. Marianne sagt irgendwann "Barbara, meine Beine bekommen mehr Aufmerksamkeit als früher mein Mann."
Barbara Müller Und jetzt kommt etwas Überraschendes. Die wichtigste Therapie ist oft Gehen. Marianne schaut mich total entsetzt an. „Aber genau das tut mir doch so weh.": „Ja, aber genau dadurch wird der Körper kleine Umgehungsgefäße bilden, sogenannte Kollateralen." Barbara Müller: Ich erklär's immer ganz einfach. Der Körper, Marianne, baut kleine Nebenstraßen und genau das verbessert langfristig die Durchblutung Außerdem den Blutzucker müssen wir ganz, ganz gut einstellen. Dein Blutdruck muss behandelt werden, wenn er zu hoch ist. Wir müssen das Cholesterin absenken, wir brauchen Laborwerte.
Barbara Müller Und bitte nicht mehr rauchen. Marianne winkt ab. "Das habe ich zum Glück geschafft. Schon seit einem Jahr rauche ich nicht mehr." "Und darauf, Marianne, kannst du auch stolz sein, denn jede Zigarette weniger hilft den: Gefäßen." Wochen später, bei einem Kontrollstermin zum DMP, zu dem Disease Management Program, erzählt mir Marianne etwas ganz Schönes: "Barbara, ich bin wieder mit den Kindern zum Spielplatz gelaufen." Barbara Müller: "Und?" "Ich bin langsam gelaufen, aber Barbara, ich bin angekommen." Und genau darum geht es. Nicht perfekt, nicht schnell, sondern Schritt für Schritt. Vielleicht hört gerade jemand zu, der auch immer öfter stehenbleiben muss. Bitte nehmt es ganz ernst, denn der Körper spricht manchmal ganz leise mit euch. Mit schweren Beinen, mit kleinen Pausen, mit einem Blick ins Schaufenster.
Barbara Müller Ich bin eure Barbara Müller und ich sage Jeder: Schritt zählt, auch die langsamen. Ihr Lieben, wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Alles Liebe, Barbara.