00:00:00: Barbara Müller: „Nur wer misst, weiß, wo er steht – und wer weiß, wo er steht, kann den Weg ändern.“
00:00:10: Barbara Müller: Hallo, ihr Lieben! Ich bin Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG – mit Herz, Humor und einer großen Portion Leidenschaft für Menschen, die das Leben lieben – auch wenn es manchmal ein bisschen süßer ist, als es sein sollte.
00:00:32: Barbara Müller: Heute möchte ich euch von Otto erzählen. Otto ist 69 Jahre alt, ein Original, wie es im Buche steht. Ein ehemaliger Bauunternehmer – kräftig gebaut, 1,72 groß, 122 Kilo schwer, und voller Lebensfreude. Otto liebt Sauerbraten, Knödel und ein gutes Bier.
00:01:02: Barbara Müller: Er hat die beneidenswerte Fähigkeit, jede Kalorie in ein Lächeln zu verwandeln. Und wenn es um Verzicht geht, dann ist Otto fest davon überzeugt, dass das Leben dafür einfach zu kurz ist.
00:01:24: Barbara Müller: Ottos Zucker fährt Achterbahn. Eines Tages kommt Otto zu mir in die Diabetes-Sprechstunde. Er schaut mich an, legt seinen Blutzuckerpass auf den Tisch – und ich sehe Werte, bei denen der Messstreifen schon fast Schweißperlen bekommt.
00:01:48: Barbara Müller: Der letzte Wert: 494 mg/dl (27,4 mmol/l). Der HbA1c: 13,9 % (129 mmol/mol). Da sag ich mir: „Na Barbara, das wird heute eine Baustellenbesichtigung der besonderen Art!“ Denn Otto hat Diabetes Typ 2 – und das schon eine ganze Weile.
00:02:18: Barbara Müller: Nur mit der Baustellenüberwachung, also dem Messen, nimmt er’s nicht so genau. Er meint immer: „Ich spür das schon!“ Tja, Otto spürt viel – aber der Zucker ist da eher ein heimlicher Mitbewohner.
00:02:38: Barbara Müller: Warum das Tag- und Nachtprofil so wichtig ist. Viele denken ja, Blutzucker sei nur tagsüber ein Thema. Aber der Zucker ist wie ein Bauarbeiter, der nachts heimlich Überstunden macht.
00:02:58: Barbara Müller: Das Tag- und Nachtprofil zeigt uns genau, wie sich der Zucker über 24 Stunden verhält – ob er morgens zu hoch, mittags zu niedrig, oder nachts völlig außer Kontrolle ist.
00:03:18: Barbara Müller: Und dieser berühmte 3-Uhr-Wert – ja, der ist besonders spannend! Das ist quasi der „geheime Zeuge“ im Krimi des Blutzuckers. Er verrät uns, ob der Zucker nachts sinkt, steigt, oder einfach mal Achterbahn fährt, während der Patient friedlich schnarcht.
00:03:44: Barbara Müller: Das Muster erkennen: Also Otto, so musst du das Profil messen! Nüchtern, vor dem Frühstück, zwei Stunden danach, vor dem Mittag, zwei Stunden danach, vor dem Abendessen, zwei Stunden danach, und vor dem Schlafengehen – und natürlich um drei Uhr.
00:04:12: Barbara Müller: Das Ganze über zwei Tage. Auch genau aufschreiben, was man gegessen hat, wenn der Wert extrem angestiegen ist – oder wenn er stark gefallen ist! Bitte auch die Bewegung notieren – oder auch die Nicht-Bewegung, wenn man am Schreibtisch sitzt!
00:04:36: Barbara Müller: Otto und der 3-Uhr-Wert. Otto fand die Idee gar nicht so prickelnd. „Barbara, ich steh doch nachts nicht auf! Da schläft ja auch mein Hund tief und fest!“ Aber genau da passiert’s oft!
00:04:58: Barbara Müller: Nachts arbeitet die Leber fleißig weiter – sie produziert Zucker. Wenn das Insulin nicht richtig wirkt, dann steigt der Wert, und man wacht morgens auf, als hätte man im Schlaf eine Konditorei geplündert.
00:05:18: Barbara Müller: Oder – der Zucker fällt zu stark – und der Körper wehrt sich mit Gegenhormonen. Dann ist man morgens auch zu hoch. Und genau das können wir nur erkennen, wenn wir den 3-Uhr-Wert haben.
00:05:40: Barbara Müller: Muster im Zucker. Ich sag immer: „Das Tag- und Nachtprofil ist wie ein Bauplan – ohne Plan weiß man nicht, wo man graben muss.“ Wenn ich die Werte sehe, erkenne ich Muster.
00:05:58: Barbara Müller: Ob Ernährung, Bewegung oder Tabletten ausreichen – oder ob wir an der Insulintherapie drehen müssen. Für uns Diabetesberaterinnen und Ärzte ist das Tag- und Nachtprofil das wichtigste Werkzeug überhaupt.
00:06:20: Barbara Müller: Und für die Patientinnen und Patienten ist es ein echter Augenöffner. Denn viele sehen zum ersten Mal schwarz auf weiß, was der Zucker so treibt, wenn man denkt, alles sei in Ordnung.
00:06:40: Barbara Müller: Ottos Erfolgserlebnis. Nach ein paar Tagen kam Otto wieder – und mit einem Lächeln, das man nicht übersehen konnte. „Ich hab’s gemacht, das Zuckerprotokoll! Habe auch aufgepasst, was ich esse!“
00:07:02: Barbara Müller: Er hielt es mir hin – und da stand’s: morgens 146 mg/dl (8,1 mmol/l) – immer noch zu hoch, aber deutlich besser; mittags 169 mg/dl (9,4 mmol/l) nach der Mahlzeit – es gab Knödel; abends 182 mg/dl (10,1 mmol/l) vor dem Schlafengehen – nach der Nussschokolade.
00:07:32: Barbara Müller: Und – Trommelwirbel – der 3-Uhr-Wert: 110 mg/dl (6,1 mmol/l)! Aber am nächsten Morgen war er wieder bei 156 mg/dl (8,7 mmol/l) – abends vor dem Fernseher gab’s ja noch die gute Nussschokolade, die liebt Otto.
00:07:58: Barbara Müller: Ich war begeistert. „Toll, Otto, jetzt können wir arbeiten!“ Otto grinste von Ohr zu Ohr und meinte: „Barbara, ich hab’s geschafft! Ich bin nachts extra aufgestanden. Meine Frau hat gedacht, ich geh heimlich Kuchen essen!“ Aber nein – er hat wirklich nur gemessen.
00:08:24: Barbara Müller: Das war so ein Moment, da weiß man wieder, warum man diesen Beruf mit so viel Herz macht. Otto hat verstanden, wie wichtig seine Werte sind. Er weiß jetzt, dass sein Zucker kein Zufall ist, sondern ein Muster, das er selbst beeinflussen kann.
00:08:46: Barbara Müller: Otto – und was ganz wichtig ist: Du hast nachher einen Termin bei unserer Frau Doktor. Nimm das Profil mit, dann schaut sie, was wir an deiner Therapie verändern werden! Das Zuckerprofil ist ein tolles Werkzeug bei der Diabeteseinstellung!
00:09:00: Barbara Müller: Ende. So, meine Lieben, wenn ihr das nächste Mal nachts wach werdet, dann denkt an Otto – und an euren Zucker. Denn Wissen ist Macht, und Messen ist Leben. Ich sag tschüss, bleibt neugierig, seid lieb zu euch selbst, und ein bisschen wachsam – auch nachts um drei. Eure Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG – mit Herz, Humor und einem Blutzuckermessgerät, das niemals schläft.