Diabetes einfach erklärt

Diabetes einfach erklärt

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00:00:00: Barbara Müller: Der gefährlichste Schmerz ist der, den man nicht mehr spürt. Oder vielleicht noch treffender: Wenn der Körper leise wird, müssen wir umso genauer hinschauen. Hallo ihr Lieben, hier ist wieder eure Barbara Müller. Und bevor ich heute starte, möchte ich einfach mal Danke sagen, wirklich von ganzem Herzen, dass inzwischen so viele Menschen zuhören, mitdenken, mitfühlen und mir auch schreiben.

Barbara Müller Das bedeutet mir unglaublich viel. Viele von euch erzählen mir von ihren Eltern, von ihren Partnern oder ihrer eigenen Diabetes-Geschichte. Und manchmal schreiben Menschen "Barbara, jetzt verstehe ich endlich, warum meine Füße so: wichtig sind." Und genau dafür ist dieser Podcast gemacht. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern ganz ehrlich, verständlich und mit euch gemeinsam. Barbara Müller: Und heute wird es eine besonders wichtige Folge, denn wir sprechen über etwas, das ganz, ganz viele unterschätzen: den diabetischen Fuß. Und über einen Mann namens Heribert, der früher wirklich alles reparieren konnte. Kaputtes Regal? Heribert. Quietschende Türen? Heribert. Mein Gartenzaun ist wackelig.

Barbara Müller Heribert, kannst du mal schauen? Aber manchmal gibt es Dinge im Leben, die man nicht mit Schraubenzieher, Klebeband oder Kabelbinder lösen kann. Zum Beispiel Diabetes mellitus. Und besonders nicht: den diabetischen Fuß. Barbara Müller: Die Geschichte von Heribert. Heribert ist achtundsiebzig Jahre alt. Er hat seit vierzehn Jahren seinen Diabetes, war früher Lagerist. Ein echter Macher, der Heribert. So ein Mann, der sagt: „Ach, das geht schon, das mach ich." Und genau dieser Satz ist manchmal auch ganz gefährlich. Seit seine Frau vor zwei Jahren verstorben ist, lebt er alleine. Barbara Müller: Und ehrlich, man merkt, es fehlt jemand. Nicht nur emotional, sondern auch jemand, der mal sagt: „Heribert, hast du eigentlich deine Füße mal gewaschen und angeschaut?"

Barbara Müller Das Konservenleben. Heribert kocht nicht gerne.: Er sagt: "Wofür denn? Für mich alleine?" Also gibt's Ravioli aus der Dose, Würstchen aus dem Glas, Toastbrot und manchmal auch etwas Gesundes, eine Gewürzgurke. Na ja, Männerküche de luxe. Aber der Körper findet das leider weniger lustig, denn viele Fertigprodukte enthalten ganz viel Salz, wenig Ballaststoffe, kaum Vitamine, oft versteckten Zucker.

Barbara Müller Und dadurch wird der Blutzucker auch nicht besser Und das Rauchen. Heribert sagt mir "Barbara, mit dem Rauchen höre ich auf, wenn der Tatort ohne Leiche läuft." Nun ja, Heribert, Nikotin verengt die Gefäße. Das bedeutet eine schlechtere Durchblutung, eine schlechtere Wundheilung und noch mehr Nervenschäden.: Barbara Müller: Und genau diese Mischung macht den diabetischen Fuß so gefährlich. Der Fuß wird still. Das ist das Tückische. Heribert spürt seine Füße kaum noch. Das nennt man eine diabetische Polyneuropathie. Das war Fachchinesisch, einfach eine Nervenstörung. Zusätzlich hat er noch Durchblutungsstörungen in den Beinen und in den Füßen.

Barbara Müller Die Nerven und die Gefäße sind geschädigt. Normalerweise würde der Körper sagen "Aua, da stimmt etwas nicht. Schuh ausziehen." Aber bei Diabetes, manchmal kommt einfach nichts. Keine Warnung, kein Schmerz. Und genau das ist das Problem. Die kleine Schraube. Heribert arbeitet in seinem Schrebergarten mit seinen alten: Gummistiefeln. Barbara Müller: Irgendwann ist- Barbara Müller: Die kleine Schraube. Eines Tages arbeitet Heribert im Schrebergarten mit seinen alten Gummistiefeln. Irgendwann ist da eine kleine Schraube in den Schuh gefallen. Eine winzige Schraube. Jede andere hätte sofort geschrien, hätte es gemerkt, aber Heribert merkt nichts. Er läuft weiter, stundenlang. Vielleicht denkt ihr gerade, wie das denn sein kann?

Barbara Müller Warum merkt man das nicht? Ich sag euch ganz einfach, weil Diabetes manchmal die Alarmanlage ausschaltet. Die Wunde. Abends zieht Harry Batt die Schuhe und seine Strümpfe aus. Die schwarze Socke klebt fest. Nicht gut. Die: Großzehe ist rot, sie ist geschwollen, die Wunde nässt und sie riecht auch nicht besonders angenehm. Barbara Müller: Aber Harry Batt sagt nur: "Ach, das heilt schon wieder." Nein, es heilt nicht. Barbara Müller: Warum der diabetische Fuß so gefährlich ist. Beim diabetischen Fuß kommen oft drei Dinge zusammen. Nervenschäden, eine schlechte Durchblutung und Infektion. Und weil Schmerzen fehlen, reagieren viele Betroffene viel zu spät. Das ist leider eine der häufigsten Gründe für schwere Wunden und manchmal sogar für Amputationen.

Barbara Müller Aber ganz viel kann verhindert werden. Und genau deshalb kommen wir jetzt zu Barbaras: goldenen Regeln für gesunde Füße bei Diabetes Barbara Müller: Goldene Regeln für die Fußgesundheit. Erstens: Jeden Tag die Füße anschauen, die Füße kontrollieren, auch zwischen den Zehen. Blasen, Rötungen oder kleine Verletzungen früh entdecken Und wenn man sich nicht bücken kann: Jetzt kommt wieder ein Barbara-Trick. Spiegel benutzen. Rasierspiegel mit Ständer ideal.

Barbara Müller Kann man auf den Fußboden stellen und seinen Fuß von unten anschauen, wenn man nicht mehr so beweglich ist. Oder Hilfe holen. Denn kleine Wunden können große Probleme werden. Zweitens Waschen. Ganz wichtig. Die Füße täglich waschen, aber bitte nicht zu heiß. Immer ein Thermometer benutzen. Manche Menschen: spüren warm-kalt nicht mehr und verbrennen sich die Füße. Barbara Müller: Viele Menschen mit Neuropathie merken Hitze nicht richtig. Darum immer erst mit der Hand prüfen oder Thermometer. Am besten lauwarm. Auch wichtig: keine langen Fußbäder. Die Haut wird sonst weich und verletzlich. Drittens: Gut trocknen. Ganz wichtig: zwischen den Zehen trocknen. Nicht rubbeln wie beim Autopolieren, sondern sanft tupfen. Barbara Müller: Feuchtigkeit zwischen den Zehen fördert nämlich die Pilze. Hautpilz oder Nagelpilz. Nagelpilz: oft weißlich, gelblich verfärbte Zehennägel. Also, ihr Lieben, Pilze mögen Diabetiker sehr gerne. Der Zucker ist ein toller Nährboden. Schaut genau hin. Ihr wollt doch keine Champignons an euren Füßen. Viertens: die Hautpflege.

Barbara Müller Diabetikerhaut ist oft: trocken. Die Sudomotorik, das heißt die Schweißbildung, die fällt bei einer diabetischen Polyneuropathie aus. Darum regelmäßig eincremen, aber nicht mit Melkfett oder Pferdebalsam. Ideal sind harnstoffhaltige Schäume. Bei Schrunden oder Ragaden wichtig: pflegen. Hornhaut vorsichtig entfernen, Schrundensalbe verwenden, zeigt es dem Arzt, der Podologin oder der Diabetesberaterin.

Barbara Müller Aber keine Creme zwischen die Zehen, sonst wird es dort zu feucht und es kommt zu einem Pilzwachstum. Fünftens Zehennägel vorsichtig schneiden. Nägel gerade schneiden, nicht zu kurz, nicht rund in die Ecken, sonst wachsen sie ein. Und bitte keine Experimente mit Bastelscheren aus der Küchenschublade. Ganz wichtig keine medizinische Fußpflege.: Barbara Müller: Also was wichtig ist, wenn die Diagnose da ist: Ein diabetischer Fuß, Durchblutungsstörung, eine diabetische Polyneuropathie, man spürt nichts, ist es ganz wichtig, zu einer Podologin zu gehen. Dafür gibt's ein Rezept. Geht einfach zu eurem Arzt und besprecht das mit ihm. Sechstens: Die richtigen Strümpfe. Barbara Müller: Socken sollten weich sein, keine dicken Nähte haben und sie sollten vor allen Dingen auch nicht einschneiden. Keine dunklen Socken. Da erkennt man nicht, wenn eine Verletzung da ist. Lieber weiße Socken, da sieht man deutlich Blut oder auch ein Sekret. Und bitte täglich wechseln. Ja, Heribert, auch wenn du sagst, die gehen noch.

Barbara Müller Das ist meistens keine gute medizinische Kategorie. Siebtens Nicht: barfuß laufen, nicht mit Socken. Wenn man eine diabetische Polyneuropathie hat. Wenn man Diabetes mellitus hat und keine Nervenstörung, also man spürt alles, dann kann man natürlich auch barfuß laufen oder mit Socken. Ganz wichtig aber mit einer diabetischen Polyneuropathie: Wenn man keine Empfindung hat, dann nicht barfuß laufen. Barbara Müller: Auch nicht zu Hause. Denn kleine Steinchen, Reißzwecken, Legosteine der Enkel können gefährlich werden. Und ehrlich, auf Lego treten ist selbst ohne Diabetes eine Erfahrung, die braucht man nicht. Jetzt kommen wir zu den Schuhen. Schuhe: wichtiger als viele denken. Menschen mit Diabetes brauchen oft besondere Schuhe.

Barbara Müller Nicht hübsch gegen gesund, sondern gesund und möglichst bequem. Aber es gibt heute: schon tolle Modelle im Sanitätshaus. Es gibt Einlagen. Wichtig: keine harten Einlagen. Weißschaumbettung optimal, genau für den Fuß gemacht. Wird von der Krankenkasse bezahlt, man braucht ein Rezept vom Arzt. Schutzschuhe, orthopädische Schuhe, Maßschuhe bei Bedarf. Barbara Müller: Noch mal näher erklärt: Was ist eine Weißschaumbettung? Das klingt erst mal wie ein Luxusmatratzenangebot aus dem Fernsehen, ist aber wichtig. Eine Weißschaumbettung ist eine besonders weiche Einlage. Die verteilt den Druck besser. Dadurch entstehen weniger Druckstellen und genau das schützt die gefährdeten Füße.

Barbara Müller Jetzt ein Wort Semikonfektionierte Schutzschuhe. Oh, ein großes Wort. Bedeutet vorgefertigte Spezialschuhe, die individuell angepasst: werden. Sie schützen empfindliche Füße und entlasten gefährliche Stellen. Orthopädische Schuhe. Wenn bereits Fehlstellungen oder schwere Druckprobleme bestehen, braucht es manchmal orthopädische Maßschuhe. Barbara Müller: Und nein, die sind heute nicht mehr automatisch Rentnerschuhe in Beige. Die Technik ist wirklich besser geworden und sie sehen auch heute besser aus. Was mir noch wichtig ist: Keine Hühneraugenpflaster. Bitte niemals einfach Hühneraugenpflaster benutzen. Viele enthalten Säure und die kann die Haut schädigen.

Barbara Müller Gerade bei Diabetes merkt man Verletzungen oft zu spät. Darum immer fachlich behandeln lassen bei einer Podologin. Verletzungen ernst nehmen, auch kleine Verletzungen sofort anschauen lassen. Blasen, Schnitten, Druckstellen, eingerissene Haut. Nicht: warten und nicht sagen: "Das wird schon", sondern sofort zum Arzt. Barbara Müller: Haut- und Nagelpilze. Das Thema hatte ich ja schon. Aber Pilz ist bei Diabetes einfach häufiger und leider nicht nur ein kosmetisches Problem. Risse in der Haut können Eintrittspforten für Bakterien werden. Darum früh behandeln, Füße trocken halten und keine feuchten Socken tragen.

Barbara Müller Das Team. Ich sage zu Heribert „Heribert, du musst das nicht allein schaffen, denn Diabetesversorgung ist Teamarbeit. Arzt, Diabetesberatung, Podologin, Apotheke, Sanitätshaus und manchmal brauchen wir auch die Klinik. Und manchmal, Heribert, braucht es einfach jemanden, der freundlich, aber: ganz bestimmt und deutlich zu dir sagt: Jetzt kümmern wir uns da drum." Barbara Müller: Der stille Moment. Ich sag zu Heribert: „Heribert, du merkst den Schmerz vielleicht nicht mehr, aber dein Fuß kämpft jeden Tag für dich." Und plötzlich wird's ganz still. Zum ersten Mal in unserem Gespräch. Dann sagt er leise: „Barbara, früher hab ich auf alles aufgepasst, nur auf mich selbst nicht." Und ich glaube, genau das kennen viele Menschen.

Barbara Müller Deshalb heute mitnehmen. Füße anschauen, kleine Veränderungen ernst nehmen, gute Schuhe tragen, Hilfe annehmen. Denn manchmal rettet nicht die große Operation ein Leben, sondern der Blick auf eine kleine Schraube im Schuh. Ich bin eure Barbara Müller und ich: sage heute: Wenn der Fuß nichts mehr sagt, müssen wir lernen, ihn trotzdem zu Barbara Müller: hören. Barbara Müller: Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Ich danke euch. Alles Liebe, Barbara.