00:00:00: Barbara Müller: Manchmal braucht der Körper keine strengeren Regeln, sondern jemanden, der ihm endlich mal zuhört. Hallo ihr Lieben, hier ist wieder eure Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG und ich freue mich so, dass ihr wieder da seid. Und heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen, die mir besonders am Herzen liegt.
Barbara Müller Denn manchmal sitzen Menschen vor mir in der Beratung und sagen "Barbara, ich weiß eigentlich gar nicht genau, was mein Körper da so macht." Und genau so war es bei Mary. Ja, und Mary ist Krankenschwester, also vom Fach. Und trotzdem tauchen ganz viele Fragen auf. Mary kam zu mir mit der Diagnose Diabetes mellitus Typ: zwei. Barbara Müller: Sie erzählte mir, ihre Mutter hatte Diabetes und die Oma auch. Also alle Frauen in der Familie. Diabetes mellitus Typ zwei. Sie nahm bereits ein Medikament, Metformin. Und wie viele Menschen hatte sie am Anfang diese Gedanken: "Oh Gott, heißt das jetzt, es wird immer schlimmer? Brauche ich irgendwann Insulin?
Barbara Müller Kann ich denn überhaupt noch etwas selbst tun?" Und ich sagte zu Mary "Mary, erst mal ganz ruhig. Dein Körper ist kein kaputtes Auto, das man einfach in die Werkstatt fährt. Dein Körper, der spricht mit dir. Du musst nur lernen, seine Sprache wieder zu verstehen." Und dann bekam Mary einen kleinen Helfer. Sie: bekam ein CGM-Gerät. Barbara Müller: Wir machen eine kontinuierliche Glukosemessung und plötzlich passiert etwas ganz Spannendes. Mary sah ihren Zucker nicht nur morgens als einen einzelnen Wert. Nein, sie sah einen Film. Nicht nur ein Foto. Und das sage ich meinen Patienten immer: Der einzelne Blutzuckerwert ist wie ein Urlaubsfoto. Wenn man einen Sensor trägt, dann sieht man den ganzen Urlaubsfilm. Barbara Müller: Und plötzlich sagte Mary: „Barbara, ich sehe ja genau, was mein Essen macht." „Ja genau, Mary." Und dieser Moment verändert unglaublich viel.
Barbara Müller Ja, die Sache mit den schnellen Kohlenhydraten. Mary merkte,: ein helles Brötchen oder eine Laugenbrezel alleine. Der Zucker ist gestiegen. Juhu, Achterbahn. Denn schnelle Kohlenhydrate gehen schnell ins Blut. Der Körper braucht dann viel Insulin, um diesen Zucker wieder in die Zellen zu bringen. Bei Diabetes Typ zwei ist aber häufig das Problem: Das Insulin ist da.
Barbara Müller Ja, aber oft ganz langsam. Die erste Insulinantwort, die fehlt oder kommt ganz, ganz verzögert. Oder man kann auch sagen, die Zellen hören nicht so richtig zu. Das nennt man Insulinresistenz. Oder wie ich gerne sage, das Insulin, das klingelt an der Haustür. Aber die Zelle sitzt auf dem Sofa und sagt "Es ist nicht genug: Insulin da oder es ist zu schwach. Barbara Müller: Ich mache heute nicht die Tür auf." Oder es dauert ewig und in dieser Zeit produziert die arme Bauchspeicheldrüse immer weiter Insulin und erschöpft sich dabei.
Barbara Müller Jetzt kommt der Eiweißtrick von Barbara. Dann haben wir etwas ausprobiert. Mary startet ihre Mahlzeiten anders. Nicht zuerst Brot, Nudeln, Kartoffel, sondern zuerst Eiweiß, Gemüse, gesunde Fette. Zum Beispiel erst der Salat mit etwas Eiweiß, zum Beispiel Ei oder Käse , erst danach die Kohlenhydrate. Was ich auch oft als Beispiel benutze, ist, wenn man einen Teller hat, man würde essen ein Rippchen,: Sauerkraut und Kartoffelbrei. Barbara Müller: Dann startet man mit dem Eiweiß, mit dem Rippchen, dann das Sauerkraut und zum Schluss kommt der Kartoffelbrei. Und dann einfach mal ausprobieren, ist es so, dass der Blutzucker viel, viel langsamer ansteigt, als wenn ich mit dem Kartoffelbrei gestartet wäre. Und plötzlich sah Mary auf ihrem Sensor, die Kurven wurden ruhiger. Barbara Müller: Ja, warum das Ganze? Eiweiß und Ballaststoffe sorgen dafür, dass der Magen langsamer entleert wird. Der Zucker kommt langsamer ins Blut. Die Blutzuckerspitzen werden oft kleiner. Und dann sagt Mary: "Barbara, das ist ja verrückt. Ich esse fast das Gleiche, nur andersherum." Ja genau, Mary. Manchmal braucht es keine Revolution.
Barbara Müller: Manchmal braucht es nur die richtige Reihenfolge. Einfach mal probieren. Barbara Müller: Und jetzt kommt noch ein kleiner Stoffwechseltrick: Der Apfelessig. Mary fragt mich in der Beratung: „Barbara, stimmt das eigentlich mit dem Apfelessig? Oder ist das wieder so ein Internetmärchen?" Und ich sage zu Mary: „Mary, diesmal steckt tatsächlich ein bisschen Wissenschaft dahinter." Der wichtigste Wirkstoff im Apfelessig ist die Essigsäure und die kann auf verschiedene Arten den Stoffwechsel beeinflussen.
Barbara Müller Was passiert im Körper? Wenn wir vor einer kohlenhydratreichen Mahlzeit etwas Essig zu uns nehmen, kann die Essigsäure dafür sorgen, dass der Magen sich etwas langsamer entleert.: Das heißt, das bedeutet, die Kohlenhydrate kommen langsamer im Darm an. Der Zucker gelangt langsamer ins Blut. Die Blutzuckerkurve nach dem Essen kann dadurch flacher werden. Barbara Müller: Oder wie ich gern sage: Der Zucker kommt nicht mehr wie eine wilde Partygesellschaft auf einmal durch die Tür geschossen, sondern schön einzeln mit Eintrittskarte. Und genau das sieht Mary wieder auf ihrem Sensor. Gleiches Essen, aber manchmal eine andere Blutzuckerantwort. Zusätzlich gibt es Hinweise aus Studien, dass Essigsäure die Insulinempfindlichkeit nach einer Mahlzeit verbessern kann.
Barbara Müller Das bedeutet, das vorhandene Insulin: kann wieder etwas besser arbeiten. Aber ganz wichtig: Apfelessig ist kein Medikament. Es ersetzt kein Metformin und es heilt keinen Diabetes. Er ist ein kleiner Baustein in einem ganz großen Puzzle. Wichtig ist: Eine gute Ernährung, viel Bewegung, Muskelaufbau, guter Schlaf, weniger Stress und die Medikamente einnehmen, wenn sie notwendig sind.
Barbara Müller Jetzt lacht Mary und sagt "Also Barbara, kein Zaubertrank." Nein, Mary, kein Zaubertrank. Aber manchmal sind es die kleinen Dinge, die unserem Stoffwechsel helfen, wieder ein bisschen besser in Balance zu kommen. Ein wichtiger Tipp Apfelessig bitte nie pur trinken, denn die Säure kann Zähne und Schleimhäute: reizen. Barbara Müller: Besser: Eins bis zwei Teelöffel in einem großen Glas Wasser verdünnt oder als Essig im Salat vor der Mahlzeit einnehmen. Und wie immer gilt: Der beste Test ist nicht der Trend im Internet. Der beste Test ist: Was zeigt dein Körper? Einfach ausprobieren.
Barbara Müller Mary nahm weiter ihr Metformin. Und Mary fragt noch mal "Barbara, was macht dieses Medikament eigentlich?" Ich erklär das noch mal ganz einfach. Unsere Leber ist ein fleißiger Mitarbeiter, auch nachts. Sie produziert Zucker. Das nennt man Gluconeogenese. Fachchinesisch. Medizin einfach, sie: bildet Zucker neu. Barbara Müller: Die Leber denkt, vielleicht brauchen wir morgen früh Energie. Ich mache schon mal Zucker. Das ist sehr nett gemeint, aber bei Diabetes mellitus Typ 2 ist sie einfach manchmal zu übermotiviert. Und Metformin sagt dann der Leber: "Danke, Gertrud, aber wir haben genug vorbereitet."
Barbara Müller Metformin kann helfen. Weniger Zuckerproduktion in der Leber, eine bessere Insulinempfindlichkeit, stabilere Werte. Aber Mary verstand auch Die Tablette macht nicht die ganze Arbeit. Die Medikamente unterstützen. Der wichtigste Mensch in dieser Geschichte bleibt Mary selbst.: Barbara Müller: Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, den viele völlig vergessen und unterschätzen. Das hat Mary auch in ihrem Sensor gesehen, in ihren Kurven: der Stress. Mary hat viel Verantwortung im Krankenhaus. Sie hat ihre Familie, der stressige Beruf, sie hat ganz viele Termine und Mary muss immer funktionieren. Und dann wundern wir uns: Warum steigt mein Zucker, obwohl ich gar nichts gegessen habe?
Barbara Müller Die Antwort heißt Cortisol, unser Stresshormon. Das Cortisol sagt dem Körper „Achtung, Achtung, wir brauchen Energie." Und Energie bedeutet Zucker ins Blut. Früher war das sinnvoll. Wenn ein Säbelzahntiger kam, mussten wir rennen.: Heute ist der Säbelzahntiger vielleicht hundert E-Mails, nervige Patienten im Krankenhaus, ein voller Terminkalender oder das Telefon, das nicht aufhört zu klingeln. Barbara Müller: Aber unser Körper reagiert ähnlich. Barbara Müller: Mary verändert ihr Leben. Und jetzt kommt der schönste Teil. Mary wurde nicht perfekt. Perfekt gibt es nicht. Mary wurde bewusst, sie bewegte sich mehr, sie achtete auf Eiweiß. Einfach eine andere Reihenfolge. Sie verstand, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Kohlenhydrate auf ihre Blutzuckerwerte haben.
Barbara Müller Sie beobachtet ihren Sensor. Nicht aus Angst,: sondern mit Neugier. Und Stück für Stück passierte etwas. Durch die Informationen, die ihr der Sensor lieferte, bekam sie bessere Werte. Sie hatte mehr Energie, viel weniger Heißhunger und vor allen Dingen bekam sie Sicherheit. Und irgendwann sagte Mary: "Barbara, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, ich verstehe meinen Diabetes und ich beherrsche ihn, nicht er mich."
Barbara Müller Ja, Mary, du bist dein Diabetes-Chef geworden. Mary, Wissen ist Macht. Und genau darum geht es. Nicht kämpfen gegen den Körper, sondern arbeiten mit dem Körper. Vielleicht hört heute jemand zu und denkt "Ich müsste eigentlich auch etwas verändern.": Dann denkt an Mary. Der erste Schritt muss nicht riesig sein. Barbara Müller: Vielleicht ein Spaziergang, vielleicht eine neue Technik, ein CGM. Für eine begrenzte Zeit, um einfach einen Überblick zu bekommen, was passiert in meinem Körper, damit wir die Zusammenhänge einfach besser verstehen und reagieren können. Denkt dran: Startet mit Eiweiß, schlaft gut, reduziert den Stress.
Barbara Müller Verstehen, was der eigene Körper macht. Denn Wissen nimmt euch die Angst und Eigenverantwortung gibt euch Kraft. Ich bin eure Barbara Müller und ich sage Gesundheit bedeutet nicht, perfekt zu sein. Gesundheit bedeutet, rechtzeitig hinzuschauen: und liebevoll anzufangen. Alles Liebe, Barbara. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Barbara Müller: Alles Liebe, Barbara